Grafikdesign und Mountainbiking: Teil I

„Grafikdesign ist die Gestaltung von visuellen Inhalten in verschiedenen Medien, die durch ihre Darstellung anderen Menschen etwas mitteilen. Dabei werden vielfältige künstlerische und
technische Mittel eingesetzt.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Grafikdesign

Ich habe mir ein Buch gekauft. Es trägt den Titel „Velo: Bicycle Culture and Design“ und ist im Gestalten Verlag erschienen. Auf 240 durchgehend bebilderten Seiten findet man unzählige Beispiele von Fahrradbau, Fahrradkultur und Fahrradkunst aus allen Ecken dieser Erde. Definitiv ein Muss für jeden Fahrrad Enthusiasten:

Allerdings ist mir etwas aufgefallen, was mich ziemlich nachdenklich machte: Im gesamten Buch ist kein einziges Mountainbike zu finden. Neben Fixies, Rennrädern, Bambusrahmen, Ghettoblastern auf Rädern – ja sogar einem Fahrrad mit Wohnwagen-Aufbau – ist keine Spur von MTB Kultur zu finden. Gut, es geht in dem Buch nicht gerade um technischen Fortschritt und Leichtbau, eher um liebevoll Selbstgemachtes und Subkultur. Aber würde nicht gerade da die North Shore Trailszene Kanadas passen? Und was ist mit den selbst konstruierten Rahmen und Federungsdesigns aus dem Downhill Bereich? Gibt es keine Mountainbike Illustrationen, Zeichnungen oder Fotos die in das Buch gepasst hätten? Oder hat der Autor etwa bewusst auf diese Art des Fahrradfahrens verzichtet?

Eine Antwort darauf habe ich bislang nicht gefunden, aber ich schätze auch dass kaum einer der sich das Buch gekauft hat diesen Umstand bemerkt hat. Ja, richtig gelesen. Irgendwie habe ich nicht das Gefühl das es viele Mountainbiker gibt die dieses Buch oder vergleichbare im Regal stehen haben. Das mag zwar daran liegen, dass das Buch eher aus der Design Ecke kommt, aber wenn ich mir überlege wie viele meiner Rad-Bekanntschaften Fahrradmechaniker sind oder werden wollen müssten die sich doch alle brennend für Fahrraddesign interessieren, oder? Besonders viele vergleichbare Bücher gibt es meines Wissens nicht gerade.

Bei anderen Arten des Fahrradfahrens und deren Szenen ist es irgendwie anders. Besonders die Fixie Szene scheint voller kreativer Köpfe zu sein, die ihrem Fortbewegungsmittel auf alle möglichen Arten huldigen und es in jedem erdenklichen Medium verewigen. Dabei ist dieser ganze Fixie Gedanke deutlich jünger als die MTB Szene. Liegt es also an den Menschen die Mountainbike fahren?

(Illustration von Adams Carvalho)


Auf Pinkbike, der wahrscheinlich weltweit größten (Gravity) MTB Seite gibt es im Fotoalbum auch einen Bereich „Bike Drawings/Art“. Was man dort findet ist (quantitativ) schlichtweg ein Witz. Jemand sprüht kommerziell Airbrushmotive auf Helme und ein anderer hat sein Garangentor angemalt. Das wars dann auch schon. Diesen Zustand kann man immerhin vielleicht damit erklären, dass der Gravity Bereich eher was für die Jüngeren ist und es oft einige Jahre braucht bis man das eigene künstlerische Talent entdeckt und gefördert hat. Aber andererseits sind es gerade die Angehörigen der Gravity Szene die ihrem Hobby sehr leidenschaftlich gegenüberstehen. Da werden Energy Drinks getrunken, Bike Zeitschriften gekauft, und Bike Filme so lange angeschaut bist man sie komplett auswendig kennt. Auch foto- und videotechnisch wird sich hier wesentlich mehr ins Zeug gelegt als bei anderen Arten des Mountainbikens. Aber da hört es dann irgendwie auf. Da ich selbst ebenfalls hauptsächlich fotografiere nehme ich mich hiervon auch nicht aus, es verwundert mich nur, dass es offenbar kaum Mountainbike bezogene Illustrationen, Grafiken oder Vergleichbares gibt. Wieso ist das so?

Die Medien rund um das Mountainbiken verlassen sich immer noch sehr auf das Motiv des Naturerlebnisses und bedienen sich fast ausschließlich der Fotografie um es festzuhalten. Verkehrt ist das nicht, schließlich basieren unsere gängigen Kriterien für Ästhetik auf Prinzipien, die wir in der Natur vorgefunden haben. Die Ski- und Snowboardszene dagegen musste früh erkennen dass man auf Dauer kein Magazin machen kann in dem jede Seite zu 90% weiß ist. Mittlerweile steckt hinter vielen Covern ein richtig kreatives Konzept, gigantische Würfel werden aus Schnee gebaut und inszeniert, farbige Blitze werden eingesetzt und es wird dort gefahren wo man es eigentlich gar nicht für möglich hält.

Mountainbiken hat praktischer Weise alle Jahreszeiten zur Verfügung und sah sich daher nicht von Anfang an mit einem derartigen Bedarf an frischen Ideen konfrontiert. Hier in Deutschland kann man zudem leicht mit Bildern aus den nebligen Urwäldern Kanadas oder dem schwarzen Vulkansand La Palmas punkten. Aber irgendwann wird auch das langweilig. Irgendwann hätte man dann doch gerne zwischendrin mal etwas völlig anderes als das Xte Mal Gardasee. Etwas neues, etwas mutiges. Etwas, das vielleicht auf den ersten Blick nicht so poliert und hochglänzend daherkommt wie ein Magazincover. Das gilt besonders für die Werbung in Bike Magazinen. Es ist kein Geheimnis, dass es davon in nahezu jedem Heft mehr als reichlich gibt, aber der Großteil dieser Anzeigen ist leider wirklich absolut unansprechend. Werbung kann, wenn sie gut gemacht ist, richtig Spaß machen. Aber sowas ist leider noch recht selten.

Aber erstmal genug gejammert, denn sich beschweren kann jeder. Schon lange habe ich darüber nachgedacht mal alles das zu sammeln, was mir in den MTB Medien positiv aufgefallen ist. Einfach eine kleines Spotlight über Gestaltung und Mountainbiking. Ich sollte dazu sagen dass das hier ein wiederkehrendes Feature wird, das ich frei nach meinen eigenen Kriterien zusammenstelle. Diese Kriterien sind z.B. Andersartigkeit, Idee, Aufwand, Stil und vor allem Qualität der Umsetzung. Ich studiere zwar Design, behalte mir hier aber dennoch eine gewisse Subjektivität vor. Das hier soll also keine Bestenliste werden. Es geht hier auch nicht um mich, sondern um die Arbeiten anderer Gestalter, die den geneigten Leser inspirieren, amüsieren oder einfach nur unterhalten sollen. Sofern jemand anderer Meinung ist, lade ich ihn ein seine eigene zu Liste machen.

Disclaimer: Wie sich das gehört versuche ich sowohl den jeweiligen Urheber als auch die Quelle der Bilder zu nennen. Leider gelingt es mir nicht immer diese Information in Erfahrung zu bringen. Solltest du also entweder der Gestalter sein oder diese/n kennen, bitte tritt mit mir in Kontakt, so dass die Daten nachträglich hinzugefügt werden können.

Cover des Bike Magazins „100×100“ von Leo ReyQuelle Heiliger Cedric! Dank an IBC User Zilli Project für das Bereitstellen – Quelle Illustration für den Grazer Bike Marathon von Alexander GrimmQuelle (oben) Illustration von Jimmy Doyle – Quelle (rechts) Illustration von Ryan ThibaultQuelle Team Odlo/Specialized Illustration von studio tomatoQuelle Illustration von Thiago Morais – Quelle Illustration von Fabrica19Quelle Platzangst Timeline Cover – Quelle

Besonders die letzte Illustrationen möchte ich hervorheben, die gab es als kostenloses Poster auf dem Dirt Masters Festival vergangenen Jahres. Ich habe den Eindruck, dass die Leute von Platzangst nicht nur qualitativ hochwertigem Grafikdesign einen hohen Stellenwert einräumen, sondern auch ihrer Zielgruppe zutrauen, dass die das zu schätzen wissen. Gut so! Allerdings war es mir nicht möglich das Poster oder Informationen über den Künstler der dahinter steckt im Internet zu finden, schade! Denn das ist wirklich mal eine liebevolle und detailreiche Arbeit. Aber vielleicht findet er/sie sich ja noch.

Es gibt nicht gerade viel Material zu dem Thema. Trotzdem werde ich versuchen dieses Feature regelmäßig fortzusetzen. Habt ihr selbst was gesehen was hierzu passen würde? Habe ich bei meiner Einleitung etwas außer acht gelassen? Seid ihr sowieso ganz anderer Meinung? Dann nutzt einfach die Kommentarfunktion! Schließen möchte ich mit einer Santa Cruz Syndicate Anzeige die eine Zeit lang auf der Vitalmtb Website geschaltet war als diese noch Littermag hieß. Ich denke hier sieht man recht deutlich dass das Wichtigste nach wie vor eine gute Idee ist.