Radventures: Das erste Mal mit Gepäck am Rad

Ich weiß noch gut wie es war, als mich der Bikepacking-Virus infiziert hatte. Es konnte gar nicht schnell genug raus in den Wald gehen, entschlossen der Zivilisation temporär den Rücken zuzukehren, bepackt mit allem was man für eine Selbstversorger-Mehrtagestour so braucht. Als Stephie mir neulich steckte, dass auch sie großes Interesse an etwas mehr Abenteuer auf zwei Rädern hat, war sofort klar, dass wir möglichst zeitnah zusammen losziehen würden. Ein passender Termin war schnell gefunden und ich hatte inzwischen auch genug Ausrüstung angesammelt, dass ich Stephie mit dem Teil des Equipments, der ihr noch fehlte, versorgen konnte.

Da wir bedauernswerterweise im absoluten Zecken-Risikogebiet zu hause sind, war klar, dass wir auf direkten Waldbodenkontakt gerne verzichten wollen. Glücklicherweise gibt es auch im Odenwald hin und wieder eine schöne Schutzhütte und da wir uns hier natürlich bestens auskennen, war die Wahl der nächtlichen Unterkunft schnell getroffen. Wir hatten durch die exponierte Lage zwar etwas Bedenken bezüglich möglicher nächtlicher Gewitter, aber das sollte sich glücklicherweise als unbegründet herausstellen.

Da es zu Anfang nicht schadet, erst mal in vertrautem Terrain zu übernachten, entschieden wir uns die Nacht fürs erste auf der höchsten Erhebung unserer Region, dem Melibokus, zu verbringen. Es war die vorausgegangenen Tage zwar immer etwas stürmisch gewesen, aber der Wetterbericht kündigte für die kommende Nacht nur noch gutes Wetter an. Also Taschen ans Rad montiert und ab dafür. Entspannt pedallierten wir Abends los, um gerade rechtzeitig zu einem der schönsten Sonnenuntergänge der letzten Wochen auf dem “Gipfel” anzukommen. Da wir sonst nicht mehr viel vor hatten, entschieden wir uns unser Abendessen hier oben zu uns zu nehmen und dabei weiterhin die einmalige Atmosphäre zu genießen. Die Luft war von früheren Regenschauern perfekt gereinigt und der Sonnenuntergang spiegelte sich in den entfernt gelegenen Rheinschleifen. Obwohl ich schon unzählige Male hier oben stand, sind mir an diesem Abend Dinge in der Ebene aufgefallen, die ich so vorher noch nie wahrgenommen hatte.

Als wir uns an dem Postkartenmotiv satt gesehen hatten, zückten wir die Lampen und begaben uns auf den letzten Trail des Tages. Unterwegs füllten wir noch kurz unsere Wasservorräte an einer der bestplatzierten Quellen aller Zeiten auf, bevor wir auf dem mittlerweile stockdunklen Trail zu unserer Schutzhütte weiterfuhren. Kurz vor unserem Ziel rannte nur einen Meter vor Stephie ein Kamikaze-Reh über den Trail, sonst kam es aber zu keinen Zwischenfällen und wir konnten unser Nachtlager wie geplant ungestört und unstörend aufbauen.

Es war angenehm warm und die Nacht verlief ohne nennenswerte Ereignisse. Von der Freude über das nach wie vor gute Wetter beflügelt, fuhren wir am Morgen direkt los um zurück in die Zivilisation zu kehren und unterwegs noch das eine oder andere Foto aufzunehmen.

Jetzt wird es langsam Zeit, entlegenere und wildere Gebiete zu erkunden. Wir werden diesen Sommer sicher noch so manche Schutzhütte auf ihre Hotel-Gene testen.